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TitleFinde Den Weg
Tags Mind Soul Mysticism Religious Behaviour And Experience
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Geistliche Wegweisung narcb

Mig1J~ ~~olinos
. ~ ...



..

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Peter Dyckhoff gibt mit seiner »Wegweisung«

einen starken lmpuls zu innerer Erneuerung aus

mystischer Tradition. Finde den Weg wird

allen Begleiter sein, die nach einem geistlichen

Weg suchen oder die auf ihrem geistlichen Weg

Mut, Bestätigung oder Korrektur finden wollen.

Finde den Weg schöpft vertiefte Lebens-

und Gebetsweisen aus der »Wegweisung des

Miguel de Molinos«, eines spanischen Mystikers

des 17. Jahrhunderts. Der beschriebene Weg

besteht aus einem Prozeß des Loslassens,

einem wachsenden Losgelöstsein, das es

ermöglicht, innere Ruhe zu erfahren - mystisches

Schweigen, wo Reden, Denken und Streben

aufhören und Gott zur Seele spricht.

ISBN 3-7698-1148-8

911~ 11131~ 11 ~11111JI J1l1l1JII

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übergehend die Erfahrung von Dunkelheit, Einsam-
keit, Unruhe und Dürre machen. Diese nicht ange-
nehme Befindlichkeit darf uns nicht verunsichern
oder beunruhigen. Es ist geboten, still, fest und stand-
haft zu bleiben, damit die wesentlichen Lebenskräfte
jenseits des Denkens sich entfalten und wirken kön-
nen.

Vom menschlichen Leistungsdenken aus wird dieser
Zustand als passiv empfunden, sinnlos und oft sogar
als Müßiggang. Die Empfindung ist subjektiv durch-
aus richtig, da man völlig machtlos zu sein scheint.
Viele Menschen meinen an dieser Stelle, unbedingt
von sich aus etwas in Gang setzen zu müssen, da sie
diese Inaktivität nicht ertragen können. Sie scheuen
vor dem Kommenden zurück und ergreifen die
Flucht, indem sie bewußt Gedanken aufnehmen,
sinnliche Eindrücke zulassen und sich somit wieder
mit dem beschäftigen, von dem sie Abstand nehmen
wollten. Sie schrecken vor der eigentlichen Wahrheit
und Wirkung des göttlichen Wesens zurück und ver-
hindern wesentliche Erfahrungen und Erkenntnisse,
die sich dem Menschen aus entgegenkommender Lie-
beszuwendung Gottes offenbaren und schenken
möchten.

6 Viele Suchende, die sich auf den Weg gemacht ha-
ben und unweigerlich an diese oft schmerzhafte

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Grenze stoßen, bekommen Angst, kehren um und hal-
ten sich wieder an Gewohntem fest. Würden sie sich
an dieser Stelle der weiterführenden Wegweisung an-
vertrauen und sich von allem Greif- und Denkbaren
lösen, wäre ihnen der Zustrom ungeahnter gnadenvol-
ler Energien gewiß. Zu diesem Schritt bedarf es gro-
ßen Vertrauens, das von Kindheit an in zwischen-
menschlichen Bereichen gefördert werden sollte.

7 Selbst wenn bei dieser geistlichen Weisung der
menschliche Wille ausgeschaltet und als müßig-

gängerisch oder gar als unbeweglich empfunden wird,
bedeutet das nicht, daß der Mensch auf die Kraft sei-
nes Willens generell verzichten kann und soll. Selbst
wenn der Verstand letztlich nicht in der Lage ist, das
zu erkennen, was die Seele liebt, so können doch
durch den menschlichen Willen und Verstand Im-
pulse dieser Liebe fließen.

Man sagt, es sei eine Grundregel: Was man nicht er-
kennt, das kann man auch nicht lieben. Obgleich der
Verstand Gott nicht durch Denken, Vorstellungen,
Nachsinnen und Betrachtungen erkennen kann, so
spielt er doch beim Wachsen des menschlichen Be-
wußtseins zum Gottesbewußtsein eine nicht unbe-
deutende Rolle. Durch die guten und Gott nahen Er-
fahrungen, die der Mensch jenseits seines eigenen
Wollens und aktiven Denkens macht, wird sowohl

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der Wille als auch jeglicher Gedanke bereichert und
kultiviert.

Die gewonnene Erfahrung ist zwar übernatürlich,
doch führt sie zu einer wesentlich klareren und voll-
kommeneren Erkenntnis, die durch den bloßen Ver-
stand nicht hätte erreicht werden können. Die höch-
sten geistigen Leistungen, die der Mensch zu vollbrin-
gen imstande ist, reichen nicht einmal ansatzweise an
das wahre Wesen des Schöpfers heran.

S Man nähert sich dem Wesen Gottes - so sagt Dio-
nysius - eher durch ein Denken dessen, was Gott

nicht ist, als durch Denken und Vorstellen dessen,
was Gott sein könnte. Der Mensch kann sich dem We-
sen Gottes und seiner Ausstrahlung besser nähern -
auch gedanklich - wenn er zutiefst erkennt, daß Gott
unbegreiflich und über unsere Sinnes tätigkeit und
jegliche Gedankenaktivität erhaben ist.

Gott ist nicht aussagbar und nicht vorstellbar - weder
als Güte, Schönheit noch als Bildnis. Die Erkenntnis,
daß Gott unbegreiflich für den Menschen bleibt,
schafft bedeutend mehr Raum in uns. Seine liebenden
Kräfte können sich in diesem Raum besser entfalten
als bei jeglicher gedanklichen Vorstellung oder ge-
fühlsmäßigen Betrachtung. Sind wir gewillt, Ihm Zeit
und Freiraum in uns zu schenken, so daß Er uns zum

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Besseren wandeln kann, werden wir den Weg zu Ihm
schneller und leichter finden als durch bloßes Beden-
ken und zögerndes Abwägen. Damit menschliche
Liebe wachsen und sich immer neu - selbst unter vor-
übergehenden Belastungen - verschenken kann, darf
sie nicht ausbrennen und sich verzehren. Sie benötigt
Ruhephasen, in denen ihr erlaubt wird, zum Urgrund
Liebe zurückzufinden.

Die Suchbewegung, diesen Quellgrund aufzuspüren
und aus ihm zu schöpfen, ist der Seele eigen. Viele
Menschen beklagen sich, die wirkliche Liebe sei ihnen
fern - und damit auch Gott. Sie haben einseitig ausge-
richtete Erwartungen, haften allzuoft an ihren eigenen
Vorstellungen und lassen somit die Begegnung und
Berührung mit einer ihnen noch unbekannten Di-
mension der Liebe nicht zu.

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Seelenkräfte dient der Bereicherung und Erfüllung
unseres Lebens, damit wir es mit den uns anvertrau-
ten Menschen teilen können und verantwortungsvoll
mit allem Geschaffenen, den Tieren, den Pflanzen und
der gesamten Schöpfung umgehen.

JA In seiner "Mystischen Theologie" gibt Dionysius -:J eine genaue Anweisung, wie der Weg zu be-
schreiten ist, um in diesen Zustand des erfüllten
Schweigens zu gelangen.
"Wenn du dich ernsthaft auf den geistlichen Weg begibst,
verlasse zunächst deine Sinne, indem du den Austausch
mit der Welt, der durch deine Sinne geschieht, völlig auf-
gibst. Ziehe das, was dich ausmacht, aus allen Gedanken-
und Gemütsbewegungen zurück. Gehe nicht mehr bewußt
dem verstandesmäßigen Denken nach und verharre nicht
in Gefühlen. Beschäftige dich nicht mit dem, was ist, wie
auch nicht mit dem, was nicht ist oder sein könnte. Er-
laube es deiner Innerlichkeit, deiner Seele, mit der ihr in-
newohnenden Sehnsucht und Kraft, sich zu ihrem Ur-
sprung empor zu schwingen. Mische dich - soweit du es
eben vermagst - nicht in diese von selbst fließende Bewe-
gung ein. Deine Seele wird sich auf eine dir unbekannte
und unaussprechliche Weise mit Dem vereinen, der über
allen Wesen und über aller Erkenntnis ist."

J 5 Die einfache We?weisung zu einem vertieften
Glaubensleben WIe auch zu einem erfüllten All-

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tag besteht in der Versenkung, in der der Betende alles
losläßt: die geschaffene Welt, alles, worauf sich die
Sinne der Verstand und die Wünsche richten. Mit ei-
nem Wort: alles, was ist, nicht ist oder sein könnte.

Das Wesentliche dieser Gebetsübung besteht darin,
sich vertrauend in die Hände Gottes fallen zu lassen.
Von Ihm wird der Betende unendlich mehr zurück er-
halten, als er je aufgegeben hat; seine Lebenskräfte
werden sich erneuern, und er wird Bereicherung er-
fahren, wo er unter Mangel zu leiden hatte. Die schöp-
ferische Kraft, die sich in der Stille sammelt, nimmt
der Betende ganz in sich auf, wenn er das Stillschwei-
gen zuläßt. Er macht schon sehr bald die wichtige Er-
fahrung, daß allem Tun ein Nichttun, allem Denken
ein Nichtdenken und allem Fühlen ein Nichtfühlen
vorausgeht. Aus diesem Bereich der Ruhe holt er sich
die für ihn notwendigen Lebensimpulse, die ihm wie
von selbst zufließen.

J 6 In unserem Leben ist es dem menschlichen Ver-stand zwar nicht vergönnt, Gott zu erkennen,
aber die Fähigkeit, ihn zu lieben, kann durchaus zum
großen Nutzen des Liebenden in ihm entwickelt wer-
den.

J7 Die sich bei allem Handeln, Sprechen, Denken und Fühlen nach außen entfaltenden Seelen-

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kräfte werden - um den hohen Zustand im Gebet zu
erreichen - vorübergehend eingezogen. Die Seele
zieht sich in sich selbst und damit in ihren Mittel-
punkt zurück. Hier, in dieser Mitte, ist ihr die Eben-
bildlichkeit Gottes eingeprägt. Die Seele pulsiert in ei-
nem Stillschweigen und vergißt dabei die dingliche
Welt. Der auf diese Weise Betende hat seinen eigenen
Willen zurückgenommen und vertraut sich ganz dem
Willen Gottes an.

Das Ruhegebet ist ein Aufmerken der Seelenkräfte
die, vorübergehend die Welt verlassend, sich ganz auf
Gott ausrichten, Ihn hören und von Ihm empfangen.

JS Alle~ die diese~ Wegweisung folgten, berichten
daruber, WIe emfach und mühelos sich durch

das Ruhegebet nicht nur Ruhe und Frieden einstellen
sondern sich Lebensenergien schenken, die im Allta~
von großem Nutzen sind. Sie sagen darüber hinaus,
daß sich im Stillschweigen ein erfüllendes Gefühl für
Körper, Geist und Seele einstellt.

Auf dem arbeitsintensiven Weg der "Betrachtung" da-
gegen stellen sich nur langsam Erfolge ein. Durch die
Betrachtung werden durchaus gute Voraussetzungen
geschaffen. Sie ist mit einem Landmann zu verglei-
chen, der sät. Doch erst im Ruhegebet oder im schwei-
genden Aufmerken der Seelenkräfte schenkt sich die

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Ernte. In der Betrachtung ist ein ständiges Suchen ent-
halten - im Ruhegebet dagegen erlebt der Betende das
einfach Da-Sein, in dem sich das Wesen des Schöpfers
seinem Geschöpf zuneigt. Der Betende erlebt diesen
Zustand nicht mehr als ein Suchen, sondern als ein
Finden.

Ein Bild drückt den Unterschied zwischen der Be-
trachtung und dem Gebet der Ruhe aus: Die geistige
Aktivität des Betrachtenden ist mit dem Zubereiten
und Kauen einer Speise zu vergleichen - das Aufmer-
ken der Seelenkräfte kommt dem Schmecken der
Speise gleich, von der sich die Seele nährt.

J" Das Lesen eines geistlichen Textes kann man
/' mit dem Bereiten der Speise vergleichen, die Be-

trachtung mit dem Essen, das Gebet aber läßt kosten
und verleiht den eigentlichen Geschmack. Das Ruhe-
gebet führt noch einen Schritt weiter: Es verleiht
Wohlgeschmack und ist der Seele Nahrung, indem sie
gestärkt, vor allem aber erfreut wird.

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