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TitleWolf - Der Berliner Ptah-Hymnus (P 3048, II-XII)
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Page 1

16 L. BORcHARDT: Bilder des "Zerbrechens der Krüge".
[64. Band.

nutzten, vielleicht gar von ihm mit einem Zauber belasteten Gefäße als Vorsichtsmaßregel
für die Uberlebenden gebott .

Die inschriftlichen Belege für dieses "Zerbrechen der Krüge" nach dem Trauermahle
scheinen nun aber nicht Stich zu halten'. So sind also die bildlichen Darstellungen davon
bis auf weiteres die einzigen Anzeichen für diese Sitte.

Mit dem Zerwerfen oder Zerstoßen" der mit Zauber- und Fluchformeln beschriebenen
Tonschalen und Tontöpfe, von denen SETHE's Arbeit handelt, haben diese Sitte und unsere
Bilder schwerlich etwas zu tun. Für dieses möchte ich, natürlich mit allen gebotenen Vor-
behalten, aber auf eine Darstellung hinweisen, die man zur Not damit zusammenbringen
könnte. .

Unter den Bildern der Jubiläumsfeier Osorkon's Ir.' ist ein Mann dargestellt, der
einen Krug' der Form wie die zerbrochenen auf unseren Bildern umgekehrt zwischen den
gesenkten Händen hält". NAVILLE' hielt dies für Ausgießen irgendeiner Flüssigkeit, die
ich dann aber mitdargestellt erwarten würde. Die Ähnlichkeit der Haltung des Mannes
mit der einiger Diener, die Krüge hinwerfen, auf unseren Bildern ist aber so auffallend, daß
man auch hier an ein Hinwerfen und Zerbrechen des Kruges wohl denken könnte. Der
Krug hat aber keineswegs eine der Formen der Gefäße mit den Ächtungsformeln.

Ob es aber dennoch ein Hinweis darauf ist, daß solche Achtungen durch Zerbrechen
von Tongefäßen, die mit den Ächtungsformeln beschrieben waren, bei den Jubiläumsfesten
vorgeno=en wurden 18

1) Ähnliche Vorstellungen scheint "s heute auch in Europa noch zu geben. So erzählte mir
kürzlich ein Herr, daß er einem polnischen(!) B"gräbnismahle beigewohnt habe, nach dem das ganze,
sehr kostbare Porzellan deo Verstorbenen, das dabei benutzt worden war, zerschlagen wurde. -
2) Die von SETHE ÄZ. 63, 1927, lOlf. zitierten Stellen des Mererub-Grabes sind, wie er selbst zu-
gab, als ich ihm eine neue Abschrift davon mitteilte, unsicher; insbesondere ist die Verbindung mit
den "Brothälften" (darüber 8. jetzt GUNN, Exc. Saqqara, Teti 1, 207 Anm. 1), die dort vorzuliegen
scheint, dunkel. - 3) S. SETHE, a. 0.. O. S. 20. - 4) NAVILLE, Festival-Hall, BI. 24, 9 mitt.Jere
Reihe. _ 5) Einen ähnlichen, nur längeren Krug trägt auch ein Priester in derselben Jubiläums-

darstellung (NAVILLE, a. a. 0., BI. 11, 4). - 6) Wie ist clie Inschrift = dabei zu verstehen!
""""'" ~t'i mw IJ Wasserma.nn" 1 Oder rn "Na.me", d. h. eigentlich sollte hier, wie z. B. in den Jubiläums-

bildern von Soleb der Name der Betreffenden eingesetzt werden, und in der Zeit des Osorkon hat
man die alte Vorlage nicht mehr richtig verstanden (s. anch ... a . O. BI. 21)! Oder ist es gar eine

Verscbreibung des alten oder cles neuzeitlichen Zeichners' für clen Priestertitel (1) <=> Ir" 13! -
~

7) A. a . O. S. 34. - 8) Hierzu bemerkt Herr Prof. SETHE: Die DetermijUerung des Ausdrucks #
dIr. wt "das Zerbrechen der roten Töpfe" in Sprnch 244 der Pyr.-Texte, die Erwähnung cles "harten
Horusauges" in diesem Spruch (ÄZ. 63, 101) und der ZU8tand cler "Ächtung8scherben" selbst scheinen
klar zu zeigen, daß dabei nicht von einem Zerwerfen der Gefäße die Rede sein kann, sondern
nur von einem Zerstampfen. Die von BORcHARDT behandelten Darstellungen des NR dürften also
auch aus diesem Grunde nichta mit den ,,Ächtungs8chro'ben" und der alten Zeremonie des "Zerbrechen.
der roten Töpfe", die offenbar damit zusammenhing, zu tun haben.

Band 64.] W. WOLF: Der Berliner Ptah-Hymnu8.

Der Berliner Ptah-Hymnus.
(P 3048, II-XII.)

Von WALTHER WOLF.

17

Herkunft. Der Papyrus Berlin 3048 ist zusa=en mit den Papyri P 3055 (Ritual für
den Kult des Amon), P 3014 + 3053 (Mutritual), P 3049, 3050 u. 3056 (Hymnen) im
Jahre 1845 durchLEPSIUS in Luksor gekauft worden. Es ist anzlmehmen, daß sie auch
zusa=en gefunden worden sind.

Datierung. Alle diese Handschriften gehören der 22. Dynastie an; der Name
Ramses' IX., der in P 3048 u. 3049 vorko=t, ist vom Schreiber aus seiner älteren Vor-
lage mit herübergenommen. Ihr Schriftcharakter weicht stark von dem der 20. Dynastie
ab und sti=t überein mit Notizen auf der Rückseite von P 3048 aus dem Jahre 14 eines
Pharao Takelothis. Vgl. SETHE im ersten Bande der Reihe "Hieratische Papyrus aus
den Königlichen Museen zu Berlin".

Veröffen tlich ung. P 3048 ist veröffentlicht im zweiten Bande der eben genannten
Reihe auf Tafel 35-47 durch G. MÖLLER, der Ullter der Bezeichnung" Takelothis" unsere
sechs Handschriften für den dritten Band seiner Hieratischen Paläographie benutzt hat.
Er hat sie dort auf S. 7/8 näher besprochen.

Inhalt. P 3048 umfaßt 12 Kolumnen. Davon enthält Kol. lI-XII den Ptah-
hymnus, der im folgenden einer Bearbeitung unterzogen worden ist. Kol. I enthält den
Rest eines weiteren Ptahhymnus.

Herr Prolo SETHE hat auf Grund meiner Bearbeitung des Textes ihn auch seinerseits
einer erneuten Durchsicht unterzogen. Er hat dann das Ganze mit mir durchgesprochen
und mir in · dankenswerter Weise seine Verbesserungen, Ergänzungen, Vorschläge und
Deutungen freundlichst zur Verfügung gestellt. Diese sind zum größten Teil hinein-
gearbeitet und im Ko=entar ausdrücklich als von ihm stammend bezeichnet worden.

A. 11,1.

1 II"*~l ~~JJ ~~["'JJJ! ~=\JJ
2 r~~J~~JJ ~~!~~JJ[!9JI~1 *[email protected]
Verehrung des Ptah, des Vaters der Götter, des Tanen, des Ältesten der Urgötter,

am Morgen.

B. II, 2-111, 2.

1 'bl~~~J ~to~ ~~JJ ~~ "'JJ! j;,~!= \JJ
2 r~r~~JJ ~~!~~JJ!
3 3, fI\jJ Jl ~~~n=>[m=",=

1'iJ= 11 --1l~~~ jJ, I ,
4~Jl ~n '""U: g=rl6~Q

--1l1l <=>[email protected] ..,MJlI RF=l.!J[J=[J

5 ir~ [email protected],~ ~[\\[email protected] ~[!J
Zoitschr.f. Ägypt. Spr., O.J..Dnnd.

11

Page 2

18 W. WOLP: Der Berliner Ptah-Hymnus.

6 ~~11 ~bJ1 ~~J~i:Ji~
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[64. Band.

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20: [l]~J ~ ~r!,,~,MNMOIJ]"--
21 ~= ~=n·~,,-­
[email protected]]1I1

22 ~~ mr\ ~ C7 @~F=iD .1,>~~ 1~ ~~!
1 Sprechen : Gegrüßt seist Du, Ptah, Vater der Götter, Tanen,
2 Ältester der Urgötter,
3 prächtiger Gott, . . .. . . an Gestalten,
4 groß an Schrecken, der auf dem großen Sitze ist,
5 reich an Ansehen, ansehnlich an Gestalt,
6 groß an Kraft, der erobert mit seiner Macht,
7 herrliches flJm (SUVO'lL«;), Liebling,
8 mit schönem Gesicht, dessen Ansehen (von selbst) entstanden ist;
9 Herr der Doppelfeder, mit funkelndem Schmuck;

10 Du Leuchtender, der die Götter am Leben erhält,
11 Du Strahlender, der an seinem Horizont aufgeht;
12 der die beiden Länder mit seinem Glanze erleuchtet, Herr des Lichtes,
13 leuchtend an Glanz, wenn er aufflammt in jedem Auge;
14 lebendig, wenn er die Finsternis öffnet, leuchtende Sonnenscheibe,
15 die den Himmel passiert und die Unterwelt durchwandert;
16 der fern ist und doch nah, dessen . .. . niemand kenn'c;
17 der Starke, der Erde und Nun vereinigt hat ..... .. am Himmel;
18 .. .. .... . .. . ... .
19 der sich selbst gezeugt hat, als noch kein Gewordenes geworden war;

Band 64.] W. WOLF : Der Berliner Ptah-Hymnus.

20 der die Erde gebildet hat nach seinem Herzen ;
21 dessen Gestalt (von selbst) entstand ;

19

22 Du bist es, der alles, was ist, gebildet hat ; der gezeugt und gestaltet hat, was
existiert.

Dieser erste Abschnitt des Hymnus zählt in der Art einer Litanei eine lange Reihe
von Eigenschaften des Ptah auf, die ihn als gewaltigen Gott, als Sonnengott und als
Ur- und Schöpfergott kennzeichnen.

2 Die Bezeichnung "Altester der Urgötter" ist häufig belegt, z. B. im Urgötterlied,
BRUGSCH, Große Oase 26. 35, im Neuen Urgötterlied 6 und P 3056, I! 5 (hier gleichfalls
von Tanen).

3 Die Lücke muß den Rest eines Adjektivs enthalten, dessen Anfang in s' vorliegt
und das durch irw'näher bestimmt wird. Am Ende der Lücke steht ein Zeichenrest, den
ich nicht zu deuten vermag, der aber verbietet, etwa an = ~ ~ zu denken.

4 '3 nrw auch im Amonshymnus von Kairo I! 6. Der Ausdruck "großer Sitz" be-
zeichnet hier das Stadtgebiet von Memphis, vgl. SETHE, Untersuchungen X, S. 75, zur
ganzen Zeile auch E 38. Beachte die merkwürdige, sonst nicht belegte Schreibung
von !trj.

5 Die Ergänzung des Adjektivs ifj nach SETHE. Ein Adjektiv verlangt der Pa-
rallelismus.

7 Vgl. ~Irfl ~r ~J] 1. \\~~~~J]Pap . Nes-Chons 14/ 5 (MASPERO,Momies
royales XXV). mrjtj ist häufig Bezeichnung eines Gottes. Die Buchrolle in unserm Falle
ist orthographisches Mißverständnis für \\.

8 Zu diesem Gebrauch von bpr vgl. B 21 u. E 35.
9 0 \ ini!tn ist irrig. Das zugehörige Deutzeichen gibt die Drucktype hier und in

den später vorko=enden Fällen ungenau wieder. V gl. MÖLLER, Paläogr. II! Nr. 302. Anm.
10 Diese Wiederherstellung schafft eine gute Parallele zu 11. Die Wendung f'nft

nirw ist häufig in Edfu, Dendera und Philae.
11 ~ in 3 b. t orthogr. Mißverständnis für 0 .
12 Es ist 0 ~ ~ ffi = tm3w gemeint. .
13 Die Ergänzung snk auf Vorschlag von SE1'HE. Die Lücke im Original läßt anders

als die Durchzeichnung keine Spur des k erwarten. Das gleichfalls nach SETHE ergänzte
!tr ergibt eine gute Parallele zu 14.

14 Das erhaltene Ideogra= des ersten Wortes ähnelt sehr dem hieratischen 9
= mnb. Da aber das erste Zeichen ein deutliches --1l ist, kann nur 'nb vorliegen, auf
dessen altercümliche Schreibung hingewiesen sei. Auf Grund dieser Stelle ist auch B 18
'nb ergänzt worden. Beachte auch die merkwürdige, wohl altertümliche Schreibung
von wb3.

15 snj sonst vom Passieren einer Grenzfestung oder vom Setzen über eine Mauer ge-
braucht. Die Bedeutung "passieren" in guter Parallele zu bnf dürfte die Ergänzung recht-
fertigen. ,

16 Gemeint ist, daß die Sonne, obwohl sie fern ist, doch durch ihre starke Wirkung
nah erscheint. Derselbe Gedanke begegnet im Atonhymnus, DA VIES, EI Amarna VI,
Taf.27, Z. 11.

Von dem w hinter rb ist noch ein Rest erkellIlbar. Die Wendung n rb tw mit folgendem
Objekt ist sehr häufig. Welches Objekt hier zu ergänzen ist, bleibe zweifelhaft, zumal der
darin steckende Gedanke dem unmittelbar vorhergehenden nicht verwandt zu sein braucht.
Ich würde etwa denken ih ~ J] oder ~ ~ !:P !.

. r

Page 7

28 w. WOLF: Der Berliner Ptah-HYlllnus. [64. Band.

79 Du sorgst für die Westlichen,
80 nachdem Du die Feinde dessen, dessen Tränen abgewischt sind, vertrieben
81 und die Ssmt. t beruhigt hast.
82 Du gibst Atem dem, der Dich anruft.
83 Die im geheimen Hause sind, sind erlöst, wenn sie Dich sehen
84 als einen vollkommenen Seligen, versehen mit Gestalten.
85 Die hinter Dir sind, sie verehren Dich,
86 so daß Du damit zufrieden bist (?), _ .... Sie sagen:
87 Spendet ihm Jauchzen und Anbetung dem, der unsern Unterhalt beschafft hat_
88 Fürchtet ihn, lobpreiset ihn,
89 diesen Gott, der unsere Stätte so trefflich gemacht hat_

Der Abschnitt ist, wie aus Zeile 1 hervorgeht, dem König in den Mund gelegt. Ptah
wird anfangs als Urgott, dann als Sonnengott gepriesen. -

. 3 Das merkwürdige!;zft P3wtjw.k wiederholt sich in 17_ Der Verfasser denkt sich
in diesem Bilde den Gott vor seinen Urgöttern stehend und ihnen zugewandt_

6 Zur Konstruktion vgL das zu B 19 Gesagte.
9 iwJ wie oft im Sinne von Körper, Leib. - Das hier Gesagte geht auf D 5.

14 Hier soll wie in C 12 der Gott als Schöpfer gekennzeichnet werden_
16/22 Das Verständnis dieser für die memphitische Auffassung der WeltschöpfUl\g

hochwichtigen Stelle verdanke ich SETHE, der sie in seiner Bearbeitung des Denk-
mals memphitischer Theologie (Untersuchungen X, S_ 34) herangezogen und erklärt
hat. Sie enthält eine kosmogonische Erklärung des Namens T3-Inn. Der Satz f3~.nJ
rJ m !;zt ist Relativsatz, das folgende iwk setzt das '/z'-nk von 16 fort. - Beachte die
altertümliche Scbreibung von '/z'. - Das Deutzeichen von f3~ müßte eigentlich ein
Krokodil mit nach unten gebogenem Schwanz sein_

Das dmd t3wj ist nicht im politischen, sondern im kosmogonischen Sinne ge-
meint: erst durch Zusammenfügung der beiden Teile Ägyptens schuf Tanen das~ J 0 ;

TI: MNoM

das ist auch in 20/21 gemeint: Tanen nahm das Land aus dem Nun und machte es erst
dadurch zum Festland_

In m ftwt liegt das m der Art und Weise vor wie in m /ztp oder m m3'. t.
23 Hier geht der Hymnus dazu über, den Ptah als Sonnengott zu schildern. Der

hier genannte Sohn kann nur Re sein, wozu auch der Abschnitt H 13ff_ zu vergleichen ist.
Ptah erscheint im folgenden als allumfassender Weltgott, der auch den Lauf und das
Wirken der Sonne bestimmt_

26 Soll heißen: Du schufst für ihn den HimmeL
27 Ein ähnlicher Gedanke im Atonhymnus Z. 11: "Du hast den Himmel fern ge-

macht." Zu beachten ist die alte Orthographie von /zrj.
29 Es liegt die eigentümliche Vorstellung zugrunde, daß der Kopf des Tanen (also

der Erde) im Osten, die Hände im Westen seien.
31 Zum Deutzeichen von Is vgL MÖLLER, Paläogr. IU, S.40. Anm. L Das Wort

steht für ftsw sw.
33/34 Ptah trägt als Schu den HimmeL Warum heißt er aber in dieser Gestalt

imj d3 .t1 SETHE erinnert an eine späte Schreibtmg für Ptah ::~, wo der Gott alsf:!/z,
der Träger des Gegenhimmels unter der Erde, gedacht erscheint. - !;zpr. k m statt b-pr.k n_

38 übersetzung nach Vorschlag von SETHE. Ob der Sinn ist: Du trägst Dein eigenes
Gewicht, ohne daß es niederbräche? Das = von wdn. k hat dieselbe Gestalt wie das
folgende r. Vielleicht hat das r die Umgestaltung von = bewirkt; es ist aber ebensogut
möglich, daß eine durch das Zeilenende hervorgerufene Dittographie vorliegt.

Band 64.] W. WOLF: Der Berliner Ptah-Hymnlls. 29

40 übersetzung nach SETHE. "Was Du verborgen hast" ist vielleicht der Inhalt
der Erde oder die Unterwelt.

41 Der Satz bezieht sich offenbar auf das Verborgene in D 40.
43 hmh ist sonst nicht belegt. über seine Bedeutung kann kein Zweifel sein_ Zunl

Deutzeichen von igp vgL MÖLLER, Paläogr. IU, S. 28. Anm. L
44/45 Hinter Jnd-k wird parallel dem /zr tp von 45 eine Präposition zu er-

gänzen sein, am Ende von 44 etwas dem riww von 45 Verwandtes. Bei s3 b denkt
SETHE an die Bedeutung "Ausfluß"_ Als Verbum ist dieser Stamm in folgenden
Stellen belegt:

Pyr. 1257b/c @~r~ ~ ~Jf lf1~ ~C'= ~=~ ~=~
o ~ ~ ~ ~ J ~ *; LACAU, Textes religieux XXV ~ r? J::: = ~ ~ ~
'= D~~h~J) und ebendaXXVI ~r?J= lf1~~~;~'= ~t
r""""'"" ~~~% f· C> m rn _ k pw ~~~~ h. (Das Deutzeichen ungenau_) 1,. ~~7h~

46 SETHE liest: Mf n 'fJmw wrj. t. Der Feuchtigkeitsüberzug der Bäume gilt als der
Ausfluß des Ptah.

47 Das dbn pfJr idbwj n p.t erinnert an die uralte Bezeichnung dbn pfJr /z3 nbw.t
Pyr- 629b. - Der Ozean begrenzt die Nut.

48 fJr anstatt m.
51 ·snj-k für snj-nk, parallel zu wd-nk.
52/53 bezieht sich auf die Schöpfung.
54 b-t n 'nb- ist nach SETHE nicht Fruchtbaum, wie gewöhnlich übersetzt wird, son-

dern eine ganz allgemeine poetische Bezeichnung für die (vegetabilische 1) Nahrung_
Die Nahrung wächst "auf Dir", denn Ptah ist ja als Tanen die Erde_ - SETHE vermutet,
daß das Determinativ von /zr-k aus einem r verderbt ist, das zu w3 d gehört. Im andern
Falle müßte man etwa übersetzen "wenn Du grünst, 0 Erde", da w3d in kausativer Be-
deutung erst griechisch sicher belegt ist (W. B. I, 266 ist daraufhin zu verbessern)_

55 Es scheint so dazustehen. In der übersetzung ist nach Vermutung SETHEs an-
genommen, daß das ~ aus' ~\ verlesen ist, was im Hieratischen sehr leicht möglich
ist. Dann steht das;;;; zu b'bf; Parallele_ Der Schreiber scheint hier an die m/z. t wr. t
als Bezeichnung des als Kuh gedachten Himmelsozeans gedacht zu haben_

56 Im Original stehen die drei Bäume auf einem gemeinsamen Strich_ Die Stelle

ist offenbar verderbt. SETHE erwägt die Möglichkeit, daß ein ~ einer senkrechten
Zeile falsch aufgelöst sei.

58 ir-f fälschlich für ir-fn(j).
59 I/znj ist sonst nicht belegt, die Bedeutung aber unzweifelhaft_

60/61 Die Stelle ist stark verderbt. ) ist vielI. die von GARDINER, Gr_ § 119. 4 be-

handelte Partikel "als". ~ ~J1 (oder ,::; ~J1) dürfte aus;; verderbt sein. Das = ~
~ ~ ..: ! g muß den m3·tj in 62 entsprechen.

61 Ob -: "Morgen" ist?

_ 63/64 Hier sind die in 58, 61 u. 62 genannten beiden Augen als Sonne und Mond er-

klärt. Ähnlich ist es im Leidener Amonshyrnnus (V 20) ! ~ .eil> ~ ro =0 J ~J\\.eil>
JI \\ ,,-=-:t:l @. J "--

~l T· Zu dieser Vorstellung vgL SETHE, Sage vom Sonnenauge, S. 4-5. Be-

" I

Page 8

30 W. WOLF: Der Berliner Pt.>,h-HYlllnu8.
[64. Band.

achte auch die altertümliche gra=atische Foi:m· der nominalen Nominalsätze ohne
Kopula mit substantivischem Prädikat und Subjekt. V gl. SETHE, Nominalsatz § 23 ff.
und GARDINER, Gr. § 125. .

65 Die Ergänzung nach Vorschlag von SETHE.
72 'pj nach SETHE (gegen W. B. I 179) niemals "einsteigen", sondern "vorbei-

ko=en". .
75 Der Fisch in der Schreibung von i'8 zeigt, daß es sich hier nicht um '8 "eintreten

lassen" handelt, der Inf. müßte überdies 1'8. t lauten. Die Übersetzung dürfte wohl den
Sinn richtig treffen.

78 Die tzntjw 8rr. t in sind die Bewohner des Totenreiches. 8rr. t ist ein Teil der
Unterwelt, der z. B. im Amduat eine große Rolle spielt.

80 Zu 'fr,-rmj. t vgl. das von SETHE Untersuchungen X, S. 45 Gesagte.
81 Ssmt. t ist Lokalgöttin von Memphis. Pyr. 262b steht sie in Parallele zur Sachmet.

SALLIER IV, Rücks. 1. 7 heißt sie "Herrin von 'ntz-t3wj". - Zur Lesung vgl. MÖLLER,
Paläogr. In, S. 41. Anm. 1.

82 Vor njf ist ein n ausgefallen infolge des anlautenden n.
83 Lies lmjw pr 1t3 .
84 Der Begriff des 3 tz 'pr, der schon in den Pyr. -Texten erscheint, bezeichnet offenbar

den mit besonderen Kräften ausgestatteten Toten.
86 Das im zeigt, daß die Bedeutung von fztp hier "zufrieden sein" sein muß. Was

bedeutet dann aber das n i3wwin 1 Wörtlich übersetzt müßte es bedeuten "weil sie alt
sind". Das scheint aber keinen Sinn zu ergeben. .

87 Lies Ir 'ntz-n statt Ir 'ntz-in wie ni. t n in 89.

E. VIII,I-9.

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2 '1J1 -t! 0=0 r~~[)J) t: 0J1~
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Band 64.] W. WOLF: Der Berliner Ptah-Hymnu8.

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31 ~, = -9)~ ~U\>\>\>i

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32 Rand~m~~~ L.n~,:: ~::[email protected]~!

33 [email protected]~ro~1 ~~ J1~~Jr'b-
34 --~ ~ F'W + @ ~ ~ ~ ~ ><-- !::: ,=-:=:
35 ~::J1~ ~= ~<=>@~!
36 Rand~m~~~ L-JJ,7. = ~:: [email protected]~!
37 9=(l~

PI I I ':'~Jl ~ OOO~-
38 ~ ~\\U 9 <== ~ 0 '<.c- ~ 0
~o\\'] = .!J= <=>=

39 ~ <=>~ =ß~
~"'I\I'II\N\"MN\A I I I

80'
1 Hei! Laßt uns ihn preisen!
2 den Gott, der den Himmel hochgehoben hat und der seine

Bauche der Nnt fährt,

31

Sonnenscheibe am

Page 14

42 W. WOLF : Der Berliner Ptah-Hymnus. [64. Band.

7 rn wr ist nach SETHE eine Bezeichnung für Ptah, ebenso wie das parallele /tk3 in 9. -
fkd mit diesem Deutzeichen und in diesem Zusammenhang ist sonst nicht zu belegen.

8 Die Ergänzung nach SETHE. - Nach MÖLLER, Pal. UI, 230 bis ist anstatt des
Bockes ein Vogel mit ebensolchem Bockskopf zu transkribieren.

10 wrtj ist Pseudopartizip. Seine Schreibung läßt wiederum auf eine alte Vorlage
schließen.

11 Ubersetzung nach SETHE.
14 Die in der Ubersetzung angenommene Bedeutung von dfr /tr liegt sonst z. B.
vor Pyr. 339c u. 1456c/ d.
15/ 16 Es ist hier angenommen, daß /tm.f Relativsatz zu dem vorhergehenden

ld fw. t nb . t ist (man könnte auch etwa ~ ~! ergänzen) und iwn t3wj Prädikat des Schöpfers
ist. Vielleich t ließe sich/tm.f auch zum folgenden ziehen und iwn als "Gesamtheit von" fassen.

18 In ll\ n n == liegt ein offensichtliches Mißve~ständnis von 71> n n (I ~
C>~~f I I ~~~~I I I

= "Lügner" vor. Ein ganz ähnliches Verschreiben findet sich Israel-Stele, AZ. 34. 6

~~~,L ~f · Vgl. auch Bauer B 1, 67: rlp~ ~~~,L==, fast
ebenso Dekret des Haremhab Rec. VI. S. 43, Z. 1l.

19 Ich nehme an, daß das mr.f aus m r3 .f verderbt ist.
21 Vgl. Denkm. memph. Theol. Zeile 7 u . 12a. Dort ist es Geb, der Horus und

Seth trennt. - Lies dm3 pdw . t. Der Schreiber hat den im Hieratischen sehr nahe-
liegenden Fehler begangen, das Zeichen F=- mit ~ zu verwechseln. dm3 .t pdw.t ist
ein altes Epitheton der Nechbit.

22 Die Zeile bezieht sich ebenso wie die folgenden auf die Sage vom Sonnenauge.
Sie findet sich fast wörtlich ebenso im Mag. Pap. Harris C 8. Hier ist Ptah an die Stelle'
von Thot getreten, der nach der Sage das wütende Sonnenauge besänftigte und es dem
Re wiedereinsetzte. Das letztere ist in 23 gesagt.

24 Es liegt, wie mir SETHE erklärt, ein präteritaler Zustandssatz vor.

I" XII, 5-9.

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' 0.

1 Hallo! Komm, schütze den König Ramses IX!
2 wie Du schütztest die Götter, die in diesem Lande entstanden sind,
3 deren König Du warest.
4 Deine Herrschaft war in allen Ländern, während Du im Königtum der beiden

Länder warest.
5 .... . .. .. .
6 Oberster, dessen was ist, wie Re. Das, was Dir gebührt, ist das.
7 Dir gehört die Ewigkeit. Das, was Dir gebührt, ist das.

Band 64.] W. WOLF: Der Berliner Ptah-HymnuB. 43

Der Hymnus schließt mit dem Gebet für den König. Dabei wird angespielt auf die
'Götterzeit, in der der Gott selbst hier auf Erden herrschte.

. 2 Die Ergänzung nach dem Vorschlage SETHEs, der für t3 pn auch = 0 erwägt.
=:;0=:;0

3 Nach SETHEs Vermutung als Relativsatz aufgefaßt. Vgl. allerdings GARDINER,
Gr. § 200. 2 letzter Absatz.

isk altertümlich für Zsj. - 1 für jw.
5 Der Anfang scheint zu heißen: "Sei stark, indem Du stark bist", dessen Sinn

allerdings fraglich bliebe. - Bei fftm-mr-f ist man geneigt, an das alte ~ ~::
= Machthaber zu denken. Oder ob die Hacke irrig ist und "er hat Macht über das,
was er gemacht hat" zu übersetzen ist 1 Vgl. K 12.

6/ 7 "Das, was Dir gebührt, ist das" , seil. zu gebieten. und die Ewigkeit zu besitzen.

Ich versuche zum Schluß kurz zusammenzufassen, in welchen Haupteigenschaften
der Gott im Hymnus erscheint. Es sind vor allem zwei zunächst · grundverschiedene
Rollen, die er spielt und die in allen Teilen des Hymnus immer wiederkehren: der Urgott
und der Sonnengott.

Als Urgott hat er sich selbst gezeugt, als noch keine Wesen entstanden waren (B 19),
er hat seinen Leib selbst gebaut, bevor der Himmel entstand, bevor die Erde entstand,
bevor das Wasser hervorkam (D 5-7). Er hat keinen Vater, der ihn gezeugt, und keine
Mutter, die ihn geboren hätte (D 12-13). Nachdem er als Gott entstanden war, hat er
die Urgötter gemacht (D 4), dadurch ist er der Älteste der Urgötter (A 2 u. B 2) und Vater
der Väter aller Götter geworden (C 4). Er stand auf dem Lande während seiner Müdigkeit,
von der es sich nachher zusammenraffte, und war in seiner Gestalt des Tanen, in seiner
Gestalt des Zusammenfügers der beiden Länder, die sein Mund gezeugt und seine Arme
geschaffen haben. Er hat sie aus dem Urwasser herausgenommen (D 16-21). Er er-
schafft alle Götter, Menschen und Tiere, alle Länder, Ufer und den Ozean (E 6-7), Auf
der von ihm erschaffenen Erde herrschte er zunächst als König. Seine Herrschaft war in
allen Ländern, während er im Königtum der beiden Länder war (L 4).

Seinem Sohne Re hebt er den Himrn,el hoch und erhebt er die Ercle und läßt ihn in
der Sonnenbarke fahren am Bauche der Nut und geleitet ihn auf geheimen Wegen
(H 19-21 u , E 2- 3). Durch die Strahlen der Augen seines Sohnes Re vertreibt er Dunkel-
heit und Finsternis. (D 24-25). Aber auch er selbst ist Sonnengott. Er ist die leuchtende
Sonnenscheibe, die den Himmel passiert und die Unterwelt durchwandelt (B 15). Er ist
jener große Gott, dessen rechtes Auge die Sonnenscheibe, dessen linkes Auge der Mond
ist und dessen Abbilder die Sterne sind (D 63-64).

Indem der Sohn auf dem Kopfe seines Vaters aufgeht und auf seinen Armen unter-
geht, weitet sich dieser zum allumfassenden Weltgott (D 29), dessen Füße auf der Erde
sind und dessen Kopf im Himmel ist (D 33).

Indem der Urgott für seine Schöpfung weiterhin liebevoll sorgt, wird er zum Gott
der den Menschen umgebenden Natur, zum Wohltäter der Menschheit. Er, der alle
Menschen gezeugt hat, sorgt auch für ihren Lebensunterhalt (C 13). Er ist der Herr der
Nahrung, der Speisen gibt, wem er will (C 28). Die Nahrung wächst auf ibm, er läßt die
Erde grünen (D 54). Er veranlaßt die Uberschwemmung, indem er den Nil aus seiner
Höhle holt (E 10). Er sorgt aber auch für die andern Länder, die keinen Nil haben, in-
dem er ihnen den Regen vom Himmel schickt (E 15- 17, C 21/22). Indem der Sonnen-
gott des Nachts durch die Unterwelt zieht, um die dortigen Höhlenbewohner aufzuwecken
und für die Westlichen zu sorgen (D 78/ 79), wird er zum Totengott, zum Herrn des Lebens
auf der Dfdf-Insel, zum Obersten des Richterkollegiums des Totenreiches (E 25).



.\

Page 15

44 O. NEUGEBAUER: Zur ägyptischen Brllchrechnung. [64. Band.

Der Gott ist aber nicht nur freundlich, sondern auch gewaltig. Er ist der Schreck-.
liche (B 4), der erobert mit seiner Macht (B '6), vor dem alle Länder zittern, vor dem die
Seelen in allen Ländern beben (030/ 31). Er ist der "Zauber", der Macbt hat über die
Götter (K 9), die Götter zittern vor ihm (K 13). Er gibt das Leben, er setzt die Jahre fest
unter den Menschen und bei den Göttern (H 5).

Und schließlich ist er der Unerforschliche. Er ist der Verborgene, dessen 'Wesen
niemand. kennt (G 28). Er ist der Hohe, Unerreichbare (G 20), der Herr der Stätte, der
geheim machte, was er verbergen wollte (G 24).

Ein paar Worte seien noch über die Entstehungszeit unseres Hymnus angefügt.
Diese Frage pflegt bei ägyptischen Texten schwierig zu sein. Aus der Sprache Schlüsse zu
ziehen, erfordert Vorsicht, da ja der Ägypter auch in späten religiösen Texten gern die
ehrwürdige Sprache der alten Zeit benutzt und.sich uralte Sätze und Wendungen durch
die Jahrtausende vererben. J\iIit der Orthographie 's·teht es nicht anders, denn der Ägypter
scheut sich nicht, die Orthographie der alten Texte, die er abschrieb, nach seiner eigenen
umzumodeln.

Unser Schreiber, der zur Zeit des Takelothis schrieb, hat eine ältere Vorlage be-
nutzt. Das zeigt sich nicht nur an der Nennung des Namens Ramses' IX. am Schluß
des Hymnus, sondern auch an mancherlei Mißverständnissen, die dem Schreiber bei
seiner Abschrift unterlaufen sind und, auf die im einzelnen bereits im Kommentar hin-
gewiesen wurde. .

Aber sicherlich geht die Vorlage unseres Schreibers letz·ten Endes wieder auf eine
sehr viel ältere zurück. Ich habe im Kommentar auf eine Reihe alter Formen und Schrei-
bungen hingewiesen. Diese weisen mit aller Bestimmtheit auf das Alte Reich, während
dessen z. B. Schreibunglln üblich sind, die die phonetischen Zeichen vor dem Stammes-
zeichen ausschreiben, eine Scbreibsitte, die bereits im MR nicht mehr üblich ist. Ich
würde danach annehmen, daß unser Hymnus im Alten Reich, möglicherweise schon
während der ersten Dynastien, als ein Erzeugnis der memphitischen Theologie ent-
standen ist. .

Zur ägyptischen Bruchrechnung.

Von OTTO NEUGEBAUER.

In Bd. 13 des Journal of Egyptian Archaeology (S. 232ff.) hat GLANVILLE einen auf
einer Lederrolle des British Museum stehenden mathematischen Text publiziert', der
(in doppelter Ausfertigung) eine Reihe von Rechnungen mit Brüchen enthält, allerdings
ohne jeden erklärenden Text, was den Herausgeber zu der resignierten Bemerkung ver-
anlaßt hat: "From the scientific point of view it can hardly be denied that the dissemi-
nation of the knowledge of this chemical treatment of the leather (zum Zwecke der Auf-
rollung) is of greater value than the publication of the contents inscribed on it". Ich möchte

1) GLANVlLLE setzt ihn in die Hyksoszeit.

Band 64.] O. NEUGEBAUER: Zur ;\gyptischell Bruchrechnung. 45

im folgenden zu zeigen versuchen, daß ein so pessimistisches Urteil vielleicht doch nicht
ganz am Platze ist.

Es ist bekanntlich die Grundaufgabe der ägyptischen Bruchrechnung, das Doppelte
eines Stammbruches durch eine Summe verschiedener Stammbrüche auszudrücken.
Die Lösung dieser Aufgabe ist vom rein mathematischen Standpunkte aus keIneswegs
eindeutig; trotzdem verwenden sämtliche bisher bekannten mathematischen Texte aus-
schließlich eine bestimmte Liste von Zerlegungen, wie sie am vollständigsten in der
,,2/ n-Tabelle" zu Anfang des mathematischen Papyrus Rhind vorliegt. Ihr Bildungs-
gesetz ist aber nicht unmittelbar übersehbar und hat zu weitläufigen Auseinandersetzungen
Anlaß gegeben, die aber m. E. alle daran kranken, daß sie die Dinge viel zu sehr mit den
uns geläufigen Methoden der Bruchrechnung in Beziehung zu bringen suchen und daher
an Stelle einer einheitlichen Begründung nur eine Sammlung von Einzelregeln geben
können, die ausschließlich nach dem zufällig erhaltenen Material zugeschnitten sind,
ohne sie aus wirklich allgemeinen Gesichtspunkten heraus ableiten zu können. Vor allem
sind sie nicht imstande, die Methoden der Bruchrechnung mit der übrigen ägyptischen
Mathematik in eine organische Verbindung zu bringen. Um diesem prinzipiellen Einwand
zu entgehen, habe ich in meiner Dissertation! versucht, die folgende Frage zu beantworten:
Das ägyptische Rechnen mit ganzen Zahlen beruht einzig auf dem Verfahren der suk-
zessiven Verdoppelung und des Addierens der geeigneten Teilresultate: 33 wird durch 6
dividiert, indem man 1 . 6, 2 · 6, 4· 6 bildet, dann durch 1 . 6 + 4 . 6 bereits 30 erhält
und schließlich durch analoge Bildungen mit Brüchen (hier '/ •. 6) das noch Fehlende er-
gänzt. Wie kann man nun die Aufgabe, das Doppelte eines Stamm bruches aus ver-
schiedenen Summanden aufzubauen, lösen, wenn man sich da bei ausschließlich
auf die 0 ben genann ten Rechen.verfahren beschränken m uß ~ Ich glaube in
der genannten Arbeit gezeigt zu haben, daß gerade diese einschränkende Forderung in
praktisch eindeutiger Weise auf das uns vorliegende Schema der 2/n-Tabelle führt.
Offen blieb dabei nur in gewisser Weise die Frage, wie man ursprünglich bei dem ziemlich
langweiligen "Experimentieren'" vorgegangen war, das nötig ist, tun zu entscheiden, ob
eine Reihe von Stammbrüchen des obigen Schemas bereits eine Zerlegung von 2/ n dar-
stellen oder nicht. Diese Lücke schließt sich nun, wie mir scheint, gerade durch den
Londoner Text.

*
Ich werde im folgenden darauf verzichten, die Zeilenzählung des Originales beizu-

behalten, da erst eine richtige Anordnung der Rechnungen ihren inneren Zusammenhang
erkennen läßt'. Ferner sei hervorgehoben, daß ich zur Angleichung an das ägyptische
Schriftbild, oder besser zur Erschwerung des Rechnens nach dem uns geläufigen Ver-
fahren, immer n statt l/n schreibe (und '3 für 2/ 3, das ja auch als "Stammbruch" fungiert).

Der Vollständigkeit halber seien zunächst diejenigen Rechnungen unseres Textes
genannt, die keine unmittelbare Beziehung zur Berechnung der 2/ n-Tabelle haben.
Es sind dies erst die Additionen

25 + 15 + 75 + 200 = 8
50 + 30 + 150 + 400 = 16,

die durch das übliche dyadische Verfahren auseinander hervorgehen' und
25 + 50 + 150 = 15.

1) "Die Grundlagen der ägyptischen Bruchrechnung"; in erweiterter Form erschienen Berlin, Sprin-
ger, 1926. Im folgenden nach dieser Ausgahe zitiert mit ÄBR. - 2) ÄBR S. 41. - 3) Ebenso verzichte
ich auf Angabe aller kleinen Schreibfehler und der Varianten in den Parallelte:xten, da sie sachlich irrelevant
aind. - .4) Vgl. ÄBR S. '1:T oben.



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